Mit Bach durch die Regio



Jahresprogramm 2018
Evang. Bezirkskantorat Freiburg
Kath. Bezirkskantorate Breisgau
und Hochschwarzwald
Badische Zeitung, 8. Mai 2018, Autor: Bianca Flier

Zwischen lichtvoller Stimmung und einem Wutausbruch der Klänge

Orgelsolist Daniel Beckmann aus Mainz begeisterte in Münstertal beim Auftaktkonzert der Reihe "Mit Bach durch die Regio".


Daniel BeckmannDas Auftaktkonzert der Reihe "Mit Bach durch die Regio" in St. Trudpert in Münstertal mit dem Orgelsolisten Daniel Beckmann aus Mainz war ein Riesenerfolg. In den Bankreihen der Pfarrkirche drängten sich die Bach-Fans. Sie wurden von Hae-Kyung Jung im Namen des Veranstalterteams begrüßt. Es hätte der vorweggenommenen Lobesworte nicht bedurft: Schon mit seiner ersten Darbietung, "Fantasie und Fuge" in g-Moll (BWV 542), überzeugte Beckmann. Auf der Chororgel spielte er den machtvoll-feierlichen Introitus der Fantasie und deren exzentrische Melodik in perfekter Harmonie aus. Anmutig interpretierte der Solist die komplexe Fuge in all ihren verschlungenen Pfaden, balancierte kühn mit dem unerbittlichen bachschen Ordnungsprinzip und glich die Strenge der Struktur auf verspielte Weise aus. Eine Interpretation, die auch infolge der kraftvollen Registerfarben und der raschen Tempi zugleich virtuos und elegant wirkte. Als zweiter Vortrag war das "Pflichtstück" an der Reihe – in diesem Jahr ein Werk, mit dem Bach die Musikfreunde bewusst in einen musikalischen Irrgarten versetzt: "Kleines harmonisches Labyrinth" (BWV 591). Ob das Stück nun wirklich von Bach stammt, oder wie einige Musikwissenschaftler argwöhnen, von einem anderen Komponisten, darüber machte man sich spätestens beim Hören von Beckmanns hinreißender Darbietung keine Gedanken mehr: Langsam und verführerisch lockte er die Hörer in die verwirrenden Gefilde und klingenden Nebelkerzen des chromatischen Fugato, welches das Zentrum des Labyrinthes bildet. Der Weg ins Freie über den harmonischen Orgelpunkt erfolgte mit schlafwandlerischer Sicherheit.

Die "Sonata VI" in G (BWV 530), das letzte Stück, das Beckmann auf der Chororgel spielte, brachte noch einmal den klanglichen Facettenreichtum und die schönen Registerfarben dieses Instrumentes zum Strahlen. Mit enormer Dynamik gestaltete der Solist die temporeichen Läufe des Vivace. Melancholisch wie ein Spaziergang im Regen über einen alten Friedhof wirkte der Vortrag des Lento. Die Kontraste von hellen und dunklen Tönen symbolisierten eine wechselhafte Gefühlswelt. Im abschließenden Allegro ließ Beckmann eine heitere Stimmung voll bukolischem Reiz und tänzerischer Leichtigkeit die Oberhand gewinnen.

Mit dem Wechsel von der Chor- zur großen Hauptorgel erfolgte auch ein Einschnitt im Programm: Vom Original-Bach zum Arrangement. Vom französischen Komponist Maurice Duruflé (1902 bis 1986) stammen zwei Kantatenbearbeitungen, aus denen Beckmann die Choräle "Ertöt uns durch dein Güte" und "Jesus bleibet meine Freude" darbot. Hier beeindruckte in erster Linie die fromme Innigkeit und Kantabilität, welche der Solist in seine Interpretationen legte. Die bekannte, herzerwärmende Melodie des Cantus "Jesus bleibet meine Freude" hatte den Duktus einer wahren Trost-Meditation.

Das letzte Stück – eine Komposition von Duruflé – war der Höhepunkt des Konzertes. Warum der Komponist selbst mit seiner Suite op. 5 unzufrieden war, konnte man beim Hören von Beckmanns virtuoser Interpretation nicht so recht verstehen. Mit düsteren, grummelnden Tönen begann das Prélude. Wie bei einem Totentanz mit brutalem Rhythmus ließ Beckmann die Orgel stampfen und dröhnen. Atemberaubende Temposteigerungen überschlugen sich mit bacchantischer Heftigkeit. Dann plötzlich wie beim Aufbrechen von Gewitterwolken eine lichtvolle Stimmung, die gleich darauf in schrittweisen Abwärtsbewegungen in erneute Finsternis führte. In der Sicilienne kontrastierte Beckmann das präludierende Klangunwetter mit pastoralen, luftigen Klängen in freundlichen Pastell-Registerfarben. Wie Kaskaden von Klangtropfen rieselten diese leichten Passagen dahin. Die furios ausgeführte Toccata begann der Solist mit hektischen Power-Klängen, die eine nahezu apokalyptische Impression erzeugten. Nach diesem aggressiven "Angriff" folgte die Gestaltung einer Art bemühter Harmonie, so als müsse sich der Interpret zu einer milderen Ausdrucksform zwingen. Bald schwollen die musikalischen Zornesadern wieder und es erfolgte im Finale ein Wutausbruch der Klänge. Was für eine fulminante Interpretation! Da der Beifall nicht enden wollte, gab Beckmann noch einer Zugabe, ohne den Komponisten derselben zu verraten. Die mitreißende Darbietung der Duruflé-Suite noch zu übertreffen – das war freilich nicht mehr möglich.

Eintritt jeweils € 8,- (€ 5,-); Karten an den Abendkassen oder beim Ev. Bezirkskantorat, Maienstraße 2, 79102 Freiburg, Telefon 0761-70789301 sowie unter www.reservix.de (zzgl. Vorverkaufsgebühren)