Mit Bach durch die Regio



Jahresprogramm 2018
Evang. Bezirkskantorat Freiburg
Kath. Bezirkskantorate Breisgau
und Hochschwarzwald
Badische Zeitung, 7. Mai 2018, Autor und Foto: Silke Hartenstein

Reizvoller Kontrast zwischen Bach und Schumann

Konzert mit Bezirkskantorin Karin Karle, die sich von der Bamlacher Orgel sehr angetan zeigt.


Draußen genießen die Menschen den ersten sonnigen Sonntagnachmittag nach den regnerischen Tagen, drinnen in Bamlachs Kirche St. Peter und Paul lassen sich zur selben Zeit über 70 Zuhörer durch ein hervorragendes Orgelkonzert inspirieren. Hier interpretiert Bezirkskantorin Karin Karle im Rahmen der Orgel-Konzertreihe "Mit Bach durch die Regio" Werke von Johann Sebastian Bach und Robert Schumann.
Zum 18. Mal veranstalten die Bezirkskantorate Freiburg, Hochschwarzwald und Münstertal die musikalische Reise zu herausragenden Orgeln in der Region. In diesem Jahr werden dem Publikum drei neu erbaute Orgeln präsentiert, darunter in Bamlach die im September 2012 eingeweihte Orgel der Arbeitsgemeinschaft Formklang. Diese hat mit gerade einmal 23 Registern zwei deutliche klangliche Kerne in der Barockzeit und in der Romantik. Und da sich im Rahmen der Konzertreihe stets ein zweiter großer Komponist zu Bach gesellt, hatte Organistin Karle Werke von Robert Schumann ausgewählt. Das Ergebnis war eine reizvolle Kombination aus Bachs Tiefe, Struktur und formaler Strenge und den insgesamt leichter und emotionaler daherkommenden Werken des großen Romantikers Schuhmann. Eröffnet wurde das Konzert mit profunden Läufen als tragendem Untergrund für die komplexen Klangfolgen in Bachs Präludium h-Moll mit seinem kraftvollen Hauptthema und mehreren Nebenthemen, alle durch denselben rhythmischen Gedanken untereinander verbunden. Hierzu bildeten Schumanns "Sechs Stücke in kanonischer Form" mit ihrem spielerisch-leichtfüßigen Charakter, schwebenden Tönen und leicht durchlaufendem Thema einen reizvollen Kontrast. In diesem Sinne ging es weiter, mit Bachs Fuge-h-Moll und ihren sich verknüpfenden, miteinander verflechtenden raschen Tonfolgen, vorwärts treibend, frisch und klar wie ein Bergbach, der in seinem Verlauf an Fülle zulegt. An zentraler Stelle kam mit der Choralfantasie "Wo Gott der Herr nicht bei uns hält" die einzige Bach-Komposition, die zu sämtlichen sieben Orgelkonzerten der diesjährigen Veranstaltungsreihe gehört – ein harmonisch kühnes und kontrapunktisch fantasievolles Orgelstück mit Echoeffekten und bisweilen bewusst in kleine Motive zersplittertem musikalischen Material des jungen Bach, das erst 2008 neu entdeckt wurde. Höhe- und Schlusspunkt des einstündigen Konzerts war Schumanns "Sechs Fugen über den Namen Bach".

"Es ist eine Arbeit, von der ich glaube, dass sie meine anderen vielleicht am längsten überleben wird", sagte Schumann über sein einziges für die Orgel geschriebenes Werk, geschaffen ein Jahr nach seinem psychischen Zusammenbruch. Hier steigerte Karle stufenlos Lautstärke, Tempo und Nachdruck und hielt somit die erreichte Spannung bis zum letzten Ton auf einem packenden und hochgradig ergreifenden Niveau. Eine darauf folgende Zugabe würde die emotionale Wirkung dieses Werks mindern und wurde somit von der Bezirkskantorin trotz großem Applaus auch nicht gegeben. Dafür gab es im Anschluss reichlich Gelegenheit zur Besichtigung der Orgel und zum Gespräch mit der Musikerin. Karle zeigte sich angetan von der, wie sie sagte, vom Klang her sehr verlässlichen Orgel mit ihren modernen Klangfarben, auf der sich alle Spielarten gut darstellen ließen..
Eintritt jeweils € 8,- (€ 5,-); Karten an den Abendkassen oder beim Ev. Bezirkskantorat, Maienstraße 2, 79102 Freiburg, Telefon 0761-70789301 sowie unter www.reservix.de (zzgl. Vorverkaufsgebühren)