Mit Bach durch die Regio



Jahresprogramm 2018
Evang. Bezirkskantorat Freiburg
Kath. Bezirkskantorate Breisgau
und Hochschwarzwald
Badische Zeitung, 4. Juni 2018, Autor und Foto: Hans Jürgen Kugler

Abschluss und Premiere zugleich

Hannfried Lucke spielt auf der sanierten Hauptorgel in St. Peter.


Das Abschlusskonzert der Reihe "Mit Bach durch die Regio" gestaltete jetzt der in Freiburg geborene Orgelprofessor am Mozarteum Salzburg, Hannfried Lucke, mit einem Programm ausgesuchter Werke von Wolfgang Amadeus Mozart und Johann Sebastian Bach.

Das Orgelwerk Mozarts ist verhältnismäßig schmal, aber gewichtig. Schon als (Wunder-)Kind brachte der kleine Mozart die Musikwelt mit seinen Orgelimprovisationen zum Staunen, wie Vater Leopold Mozart voller Stolz in einem Brief kundtat. Kurioserweise schrieb Mozart seine großen Orgelwerke nicht für Organisten aus Fleisch und Blut, sondern für Musikautomaten. Der Grund hierfür dürfte schlichtweg in der Bezahlung gelegen haben. Mozart nahm dankend an, als Graf Joseph Deym von Stritetz-Müller, Besitzer eines Kunstkuriositätenkabinetts, dem Komponisten das Angebot machte, für ein Mausoleum, das der für den 1790 verstorbenen Feldmarschall Laudon eingerichtet hatte, eine entsprechende Trauermusik zu komponieren. Die Fantasie f-Moll KV 594 verharrt nicht in zurückhaltend intonierter Trauermusik, sondern verweist mit opulentem Gebläse volltönig und triumphal auch auf die Siege des verehrten Feldherrn. Dezente Reibungen erzeugen Spannung, ein offener Schluss führt zu einer leicht abgewandelten Reprise des Trauermarsches des Anfangs. Das Adagio h-Moll KV 540 atmet in zurückhaltender Registrierung trotz aller Melancholie verhaltenen Optimismus, den Lucke mit leichthändigen Läufen immer wieder hervorschimmern ließ. Die kurze Leipziger Gigue KV 574 überrascht durch schräge Stimmführung, entfernte Tonräume und den neckischen Umgang mit der Bach’schen Fugenkunst. Ein geradezu experimentell zu nennendes Kabinettstück, mit dem Mozart Händels Gigue aus der Suite Nr. 8 in f-Moll auf spielerische Weise Reverenz erweist.

Den Rahmen zu Mozarts Fuge setzte Lucke mit der Triosonate Nr. 6 g-Dur BWV 530 und dem Präludium und Fuge c-Dur BWV 547 von Johann Sebastian Bach. Das Vivace der Triosonate beginnt leicht schattiert im Register, gewinnt aber zunehmend an feierlichem Duktus. Das zarte Siciliano im Lento präsentierte Lucke voller Anmut und vereinte im Finale gewandt Kontrapunktik und italienischen Sonatenstil in einem satten Klangbild. Das fanfarenartige Präludium c-Dur gewann zunehmend an Fülle und Majestät in der anschließenden Fuge.

Die Fantasia super "Komm, Heiliger Geist" BWV 651a von Johann Sebastian Bach ist ein Orgelchoral zur musikalischen Umrahmung des Pfingstfestes. Ein machtvoller Cantus firmus in der Bassstimme bildet das Fundament für "virtuos in den Oberstimmen auflodernde Sechzehntelfiguren", die die Feuerzungen des Heiligen Geistes versinnbildlichen, wie es anschaulich im Programmheft heißt. Die Choralfantasie "Wo Gott der Herr nicht bei uns hält" (BWV 1128) wurde erst vor wenigen Jahren bei einer Auktion wiederentdeckt. Den reich ornamentierten Choral interpretierte Lucke mit geradezu drohenden Untertönen im Pedal. Auch im präludierenden Mittelteil scheint jederzeit der Absturz zu drohen, ehe sich kühn die Oberstimmen im funkelnden Schlussteil wieder erheben.

Das Abschlusskonzert der Reihe war zugleich eine Premiere – war es doch das erste Mal, dass die Hauptorgel nach ihrer Restaurierung das erste Mal öffentlich erklang, wie Kantor Johannes Götz in der Einführung erklärte. Die neu gewonnene Klangpracht des Instruments demonstrierte der Organist auch in der Zugabe mit Variationen zu einem Thema aus Händels "Messias".
Eintritt jeweils € 8,- (€ 5,-); Karten an den Abendkassen oder beim Ev. Bezirkskantorat, Maienstraße 2, 79102 Freiburg, Telefon 0761-70789301 sowie unter www.reservix.de (zzgl. Vorverkaufsgebühren)