Mit Bach durch die Regio



Die Orgel in der Wallfahrtskirche Maria Lindenberg
Evang. Bezirkskantorat Freiburg
Kath. Bezirkskantorate Breisgau
und Hochschwarzwald
Aus der BZ-Serie:
Mit Klang und Gloria – Orgeln in der Region

Bericht und Fotos: Alexandra Wehrle
Mehr aus der BZ-Orgelserie hier >>>
- Baujahr: 2013
- Erbauer: Firma Jürgen Ahrend aus Leer in Ostfriesland
- 18 Register
- 720 Pfeifen


"Ich liebe dieses Instrument", sagt Johannes Götz, Bezirkskantor und erzbischöflicher Orgelinspektor, über die Orgel in der Wallfahrtskirche auf dem Lindenberg bei St. Peter. Sie ist erst ein gutes Jahr alt, am 8. Dezember 2013, dem Hochfest Mariä Empfängnis, wurde sie eingeweiht. Das Besondere an ihr ist die trickreiche Bauweise, bedingt durch die niedrige Deckenhöhe auf der Empore, und ihr historisierender Klang.

       

Götz hat es nach dem Gottesdienst eilig, doch bevor er geht, zeigt er noch kurz die Orgel, die ihm viel bedeutet. Sie ist den norddeutschen Orgeln der Barockzeit nachempfunden und wurde von der Firma Jürgen Ahrend aus Leer in Ostfriesland gebaut. Diese wird inzwischen von Sohn Hendrik geleitet. "Die Firma Ahrend ist bekannt dafür, dass sie alles selber macht", erzählt Götz nicht ohne Stolz.

Mit 18 Registern ist die neue Orgel ein kleines Instrument. Sie hat 720 Pfeifen, wie Friedemann Seitz von der Firma Ahrend nachgezählt hat, manche von ihnen werden von zwei Registern aus genutzt. Das Gesamtkonzept mit Registern, Manualverteilung, Stimmung und technischen Details orientiert sich am Barockzeitalter. Auf elektronische Bauteile wurde verzichtet.


"Jetzt wird der Klang ein bisschen melancholisch"
Johannes Götz setzt sich an die Tasten und schlägt einige Töne an. Nach und nach schaltet er verschiedene Klangfarben hinzu, etwa Traversflöte, Quinte oder Dulcian, und verändert so den Klang. "Jetzt färb’ ich ihn ein", raunt er und aktiviert eines der Register. "Jetzt wird der Klang ein bisschen melancholisch", sagt er wenig später, und tatsächlich hört sich die Orgel anders an. "Jetzt mach ich mal Tirolisch" – mit der Traversflöte, die tatsächlich wie eine Flöte klingt.

Solche Kunststücke waren mit der vorigen Orgel nicht möglich. "Sie war ein Serienprodukt aus den 1960er Jahren", erklärt Götz. "Die war ewig verstimmt und hatte keinen tragfähigen Klang. Bei voller Kirche hat sie mehr gedröhnt als gespielt. Die Leute waren einfach nicht zufrieden." Der Bezirkskantor natürlich auch nicht. So wurde das Instrument an eine Kirchengemeinde in der Diözese Rottenburg verschenkt.

Auf Bitten der Reporterin öffnet Götz den Stimmgang und geht hinein, um zu zeigen, wie man die Orgel stimmt: mit Stimmkrücke und -eisen. "Alle Pfeifen sind auf Ton geschnitten, die Gedackten sind zugelötet", erklärt Götz. Deshalb muss die Orgel nur selten gestimmt werden, und wenn, dann nur die zwei Rohrwerke, was der Organist selbst erledigen kann. Das Wort "Gedackten" kommt übrigens von "gedeckt". Es bezeichnet Pfeifen, die im Gegensatz zu offenen Pfeifen oben abgedeckt sind und dadurch einen dumpferen Klang erzeugen. Die Anschaffung der Ahrend-Orgel war lange geplant, die Lieferzeit betrug mehrere Jahre. Pfarrer Stefan Meisert, der ehemalige Wallfahrtsrektor Bernhard Kraus, Johannes Götz und die Mitglieder des Stiftungsrats haben den Auftrag international ausgeschrieben, die Firma Ahrend machte das Rennen. Referenzinstrument war die Ahrend-Orgel in der Mahlberger Schlosskirche von 1999, wie Götz berichtet.

Insgesamt 330 000 Euro hat das Kleinod auf dem Lindenberg gekostet, das Geld wurde unter anderem durch Spenden zusammengetragen. Er habe im Vorfeld viele Orgeln angeschaut und angehört, um herauszufinden, was einen historischen Klang ausmacht, erzählt Götz, bekennender Fan barocker Orgeln. Mit dem Ergebnis ist er zufrieden, die Mühe hat sich aus seiner Sicht gelohnt: "Die Orgel eignet sich wunderbar, um große Gemeinden farbig zu begleiten." Ihre Klangqualität sei hervorragend, besonders auch in einer vollbesetzten Kirche. "Sie glänzt, ohne drückend zu wirken."

Eine Herausforderung beim Bau dieser Orgel war laut Friedmann Seitz die geringe Deckenhöhe auf der Orgelempore. Um auch größere Pfeifen unterbringen zu können, stehen die äußeren Pfeifen des Registers Prinzipal 8’, das vorne zu sehen ist, tiefer als die mittleren, und damit deutlich unterhalb der Windlade. Die beiden Tastenwerke (Manuale) sind ebenfalls aus Platzgründen ineinander verschoben. Für die Pfeifen des Pedalwerks wurde hinter der Orgel ein eigener Kasten gebaut. Aus drei Pfeifenreihen können fünf Register gewonnen werden.

Der Orgelkasten selbst ist aus massiver Eiche und wurde von Helmer Hut aus Holland passend zur Ausstattung der Kirche im Rokokostil marmoriert. Die geschnitzten Elemente stammen von Michael Steigerwald, Bildhauer und Restaurator aus Steinach im Kinzigtal. Die Tasten sind aus Schlangenholz, hartes tropisches Holz, das schon Arp Schnitger benutzt hat. Schnitger war einer der berühmtesten Orgelbauer seiner Zeit, er hat die norddeutsche Barockorgel vollendet.

"Die Orgel ist auch kunsthandwerklich schön, sie ist einfach gut gemacht", schwärmt Götz. Mit seiner Begeisterung ist er nicht allein, wie er weiß: "Die Leute mögen das Instrument." Vielleicht liegt das auch daran, dass der Bezirkskantor einfach vor lauter Freude auf der neuen Orgel noch schöner spielt als vorher.
Eintritt jeweils € 8,- (€ 5,-); Karten an den Abendkassen oder beim Ev. Bezirkskantorat, Maienstraße 2, 79102 Freiburg, Telefon 0761-70789301 sowie unter www.reservix.de (zzgl. Vorverkaufsgebühren)